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Mercedes C124: Traum und Wirklichkeit

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C124 blauschwarz metallic

Fast jeder Youngtimer Enthusiast hat in irgendeiner Form bereits Erfahrungen mit dem W124 (Limousine), S124 (Kombi), C124 (Coupe) oder auch dem A124 (Cabrio) gemacht, ob in der Praxis oder Theorie. Viele lieben ihn, manche finden ihn zu altbacken, andere wiederum schwören auf dieses Modell als das beste Auto überhaupt.

Vorgeschichte

Früher oder später musste es mich erwischen, ich war schon länger mit dem Mercedes W124 Virus befallen. Genauer gesagt schon über 25 Jahre. Ich erinnere mich noch gut an den knallroten 300 E meines Großvaters, für mich damals das Nonplusultra, 240 km/h auf der Autobahn und das Gefühl von Tresor beim Türen schließen. Er hielt knapp 500.000 km und dreht wahrscheinlich heute noch seine Kreise in Afrika. Irgendwann wollte ich auch einen haben aber bekanntlich sind Garagenplätze rar und ab einer gewissen Anzahl von Fahrzeugen zählt man eher zu den Sammlern als zu den Fahrern.

W124 rot
Feuerwehrauto der Stadt Nürnberg. So ähnlich sah er aus, nur mit 6 Zylindern und schwarzen BBS Felgen.

Es kam aber wie es kommen musste und als ich mich Anfang des Jahres mal wieder in den weiten des Internets nach allen möglichen Youngtimern umschaute, stand er plötzlich vor mir. Ein Mercedes Coupe, C124, Baujahr 1990, in der traumhaften Farbkombination blauschwarz metallic mit Saccobrettern in altograu. Dazu die gediegenen 8 Loch Alufelgen, als Motor der 230er Dauerläufer (schon mit Duplexkette) und ganz wichtig Automatik.

Ich zögerte nur kurz bis ich meiner inneren Stimme nachgab und voller Vorfreude die angegebene Nummer wählte. Zum erstaunen meinerseits wurde das Auto tatsächlich von privat verkauft, die gemachten Angaben waren in Ordnung und ein rüstiger Rentner erzählte mir warum das Auto einen neuen Besitzer sucht. Das klang zu gut um wahr zu sein, ich vereinbarte sofort einen Besichtigungstermin für den Folgetag.

Kennen Sie das Gefühl, einen Tag vor Weihnachten, in einem Alter in dem der Weihnachtsmann noch eine Rolle spielt, gespannt und voller Vorfreude was dieses Jahr wohl unterm Baum liegen wird? Genauso fühlte ich mich und behandelte meine Schlaflosigkeit mit allerlei Kaufberatungen. Eine gute Übersicht der wichtigsten Punkte findet sich hier.

Bestandsaufnahme C124

Die lange Nacht war irgendwann vorüber und wenig später stand ich mit einem netten rüstigen Herren vor seiner Garage. Der Sesam öffnete sich und als er das „Schätzchen“ dann herausfuhr war ich zunächst etwas betrübt.

Karosserie

In der Anzeige war nur die rechte Seite abgebildet, die linke litt leider bei genauer Begutachtung unter etlichen Streifspuren, wohl dem feindlichen Kontakt mit der Garagenwand geschuldet. Darüber hinaus eine lädierte Frontstoßstange, laut Aussage des Vorbesitzers eine unsanfte Begegnung mit einem Schneehaufen. Ansonsten eher wenig Rost, zu mindestens bis ich die Stopfen der Wagengeberaufnahmen öffnete und die Motorhaube von innen genauer inspizierte, aber gut was will man erwarten von einem fast 27 Jahre alten Fahrzeug.

Innenraum

Die übliche Abnutzung am Fahrersitz und ein schon etwas durch gesessener Fahrersitz, ansonsten allerdings wirklich in einem Top Zustand mit nahezu unverbrauchter grauer Innenausstattung.

Ab diesem Zeitpunkt war mir eigentlich klar, den muss ich haben. Denkbar schlecht für eine Preisverhandlung.

 

Probefahrt

Zunächst mal eine Runde drehen, vielleicht findet sich doch noch eine „Ausstiegsklausel“ für meinen Autokauf. Der Einstieg klappte ohne Probleme, ein kurzer Dreh am Zündschlüssel und der langhubige Vierzylinder erwachte zum Leben. Im C124 muss man sich zum Gurtanlegen nicht einmal verrenken, wie von Geisterhand wird einem höflich der Gurt gereicht.

Die ersten Meter waren fantastisch, der Automatikwahlhebel glitt butterweich durch die Schaltkulisse und die Schaltvorgänge müssen sich auch vor heutigen Wandlern nicht verstecken. Der Wendekreis war ebenfalls beeindruckend. Gediegen und gemütlich fuhr ich die Straße entlang und wusste nun aus eigener Erfahrung was gemeint ist wenn man sagt, dass dieses Modell noch von Ingenieuren und nicht Controllern gebaut wurde.  Beim Überfahren von Verkehrsinseln bemerkte ich jedoch auch, dass das Fahrwerk sich über etwas Fürsorge freuen könnte und der Motor eine gewisse Laufunruhe hatte, vor allem an der Ampel. Vielleicht der nachgerüstete Kaltlaufregler? Er beschleunigte aber ohne zu murren in den Drehzahlbegrenzer und war soweit unauffällig, mit etwas über 226.000 km ja auch gerade erst eingefahren.

Checkliste

Karroserie einigermaßen okay und mechanisch ebenfalls alles in Ordnung, soweit man das in der kurzen Probefahrt beurteilen konnte. Jetzt ging es noch daran die technischen Helferlein auszuprobieren. Mein Fazit nach der Bedienung etlicher wie aus Marmor gefrästen Schaltern:

  • Schiebedach hebt, öffnet sich jedoch nicht
  • Fensterheber links will sich nur mit manueller Hilfe ganz nach oben bewegen
  • Radio gibt beim Anschalten nur Störgeräusche durch den Lautsprecher

Die Entscheidung

Wieder am Ausgangspunkt angekommen ging es nun daran abzuschätzen was es kostet diesen C124 zu retten und wieder in vorzeigbaren Zustand zu versetzen. Am Preis und am Auto musste definitiv noch geschraubt werden. Die Wagengeberaufnahmen bereiteten mir dabei am meisten Sorgen. Man weiß nie wirklich inwieweit der Lochfraß schon fortgeschritten ist ohne die Saccobretter zu entfernen. Diese Bilder des Grauens hoffte ich aber nicht vorzufinden. Der unruhige Motorlauf war auch so eine Sache, zu mal ich bemerkte das der Besitzer nur Leitungswasser als Kühlflüssigkeit verwendete.

Letztendlich habe ich aber auf mein Gefühl, den vollen Ordner an Reparaturbelegen sowie die ehrliche und nachvollziehbare Historie gehört. Ein C124 ziert seitdem meine Garage, auf dem Weg zum instand gesetzten Schmuckstück. Ich hoffe mein Gefühl war richtig. Die nächsten Schritte im folgenden Artikel.

Stay tuned!

 

 

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